
Besuchte Vorstellung: "Turandot" von Puccini am 12.07.2008, Opernhaus Zürich, Inszenierung: Giancarlo del Monaco, Bühnenbild und Kostüme: Peter Sykora, Dirigent: Marco Armiliato
Turandot: Paoletta Marrocu, Liu: Elena Mosuc, Calaf: José Cura u.a.
"Marlboro Man googelt Prinzessin" (Aargauer Zeitung, 11.04.2006)
Zum Abschluß der Opernsaison 2007/2008 konnten unsere Mitglieder eine spannende "Turandot"-Aufführung im Rahmen der Zürcher Opernfestspiele besuchen.
Turandot, eine grausame Prinzessin, läßt jeden, der um ihre Hand anhält, köpfen, wenn es ihm nicht gelingt, drei Rätsel zu lösen. Calaf, verkörpert durch den bekannten Tenor José Cura, versucht das Herz der grausamen Turandot zu erwärmen....
Neue Zürcher Zeitung, 11.04.2006:
"Das hier gezeichnete Rollenbild Calafs passt wie massgeschneidert zu José Cura und seinem dunklen, mehr mit Kraft und Druck denn geschmeidig geführten Tenor. Lässig verkörpert er den Macho pur, dem es nicht um Liebe, sondern um Eroberung und Macht geht. Es bleibt dabei kein Klischee ausgespart, weder die schwarze Lederjacke noch die Sonnenbrille und der gelangweilte Griff zur Zigarette beim Auftritt des Kaisers Altoum...(...) Etwas Besonderes hat sich der Regisseur für Calaf aber doch ausgedacht: Er ist ein technologisch hoch aufgerüsteter Westler und löst die drei Rätsel Turandots nicht kraft seiner Intuition, sondern mit Hilfe eines Laptops."
art-tv.ch (April 2006):
"Die Geschichte selber lässt praktisch kein klischiertes Verhaltensmuster von Frau und Mann aus. Musikalisch von Puccini umgesetzt läuft sie jedoch zur Hochform auf. Das nach italienischer Opernmanier erforderliche Grossaufgebot an Sängerinnen und Sängern, die auf der düsteren als Friedhof gestalteten Bühne kaum mehr Platz finden, gibt alles. Beeindruckt haben im einzelnen vor allem eine ausdrucksstarke Elena Mosuc als Liu und eine stimmgewaltige Turandot (Paoletta Marrocu), deren Stimme trotz ihrer erbrachten gesanglichen Leistung noch mehr Potential verspricht. Jose Cura in der Rolle des Prinz Calaf hingegen überzeugt neben seinem Gesang vor allen Dingen durch sein joviales und selbstbewusstes Auftreten. Interessant wirkt die Kombination von traditioneller Kostümierung des Hauptteils der Besetzung und der modernen Bekleidung von Calaf, seiner Dienerin Liu und des Blinden. Das Dinner von Calaf und der in ein rotes Cocktailkleid "enthüllten" Turandot vor der Skyline Manhattans im Schlussbild erlaubt sowohl eine symbolische als auch eine ironische Interpretation.
Fazit: Für Freunde der grossen italienischen Oper ein uneingeschränkter Hochgenuss."

