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Besuchte Vorstellung: Premiere von "Die Trojaner" von Hector Berlioz am 05.12.2010, Deutsche Oper Berlin, Inszenierung: David Pountney, Musikalische Leitung: Donald Runnicles

Aeneas: Ian Storey, Choroebus: Markus Brück, Kassandra: Petra Lang, Dido: Béatrice Uria-Monzon u.a.

"Berlioz in Berlin - ein gigantisches Werk" (Berliner Morgenpost, 06.12.2010)

Zum erstenmal in ihrer Geschichte zeigte die Deutsche Oper Berlin "Die Trojaner" in einer Gesamtfassung, eine sehr selten gespielte Oper.

 

Berliner Morgenpost, 06.12.2010:

"Es bleibt im Grunde unerklärlich, warum die Oper der Welt sich ein volles Jahrhundert lang um das Meisterwerk der „Trojaner“ herumgedrückt hat. Es gibt in jeder Beziehung nichts Herausforderndes, von Wagners „Ring des Nibelungen“ einmal abgesehen, den inzwischen die Welt überall mit Selbstverständlichkeit schmiedet. An Berlioz aber, dem genialischen Einzelgänger, hat man offenkundig stur vorbei geschaut. (...)

Nun hat die Deutsche Oper das wahrhaft gigantische, über fünfstündige Werk auf die Bühne gestellt, wie man es wohl zuvor nie mit gleicher musikalischer wie szenischer Intensität zu sehen und zu hören bekam. Dank dafür gilt zwei Berlioz-Fans höchsten Kalibers, die sich überdies vortrefflich in die Hände zu arbeiten verstanden: Donald Runnicles im Orchestergraben, David Pountney auf der Bühne. Jeder von ihnen grandios unterstützt: Runnicles von seinem machtvoll und gleichzeitig geschmeidig aufspielenden Orchester und dem von William Spaulding einstudierten Riesenchor.

Pountney wiederum hatte auf seiner Seite die Tänzerinnen und Tänzer des Opernballetts in der Choreographie von Renato Zanella. Außerdem den genialischen Bühnenbildner Johan Engels und die Kostümbildnerin Marie-Jeanne Lecca. Selten sang sich eine Dame herrlicher gekleidet dem Tod aus eigener Hand entgegen als Dido, die Königin von Karthago, in der bezaubernd schlanken Gestalt von Béatrice Uria-Monzon. Die Aufführung spart, ganz nach dem Willen von Berlioz, mit Überraschungen nicht. (...)

Herrin des Abgrunds ist unangefochten die großartige Petra Lang als Kassandra: eine Sängerin, der selbst der mörderischste Todernst mit all erdenklicher Stimmlebendigkeit aus der Kehle schießt. Sie sieht selbst mit geschlossenen Augen das Unheil unaufhaltsam heranschleichen, muss aber erfahren, dass nicht einmal der geliebte Chorèbe (von Markus Brück mit anrührender Intensität gesungen) ihren mörderischen Hinweisen sein offenkundig verstopftes Ohr leiht. (...)

Kann schon sein, dass Pountney, in Gemeinschaft mit Runnicles, Berlins Deutscher Oper die „Jahrhundert-Trojaner“ bescherte."

 

Deutschlandradio Kultur, 06.12.2010:

"Der neue Generalmusikdirektor der Deutschen Oper Berlin, Donald Runnicles, hatte sich Hector Berlioz' "Les Troyens" als Einstands-Produktion gewünscht. Und er ist auch der viel beklatschte Star des fünfstündigen Abends.

Umsichtig leitet er die weitflächig angelegte Partitur mit ihren vielen marschartigen aber auch liedhaften Partien, und selbst wenn die Koordination mit den Chormassen auf der Bühne nicht immer ganz klappte. (...)

Die Sänger allerdings bewältigen ihre teils mörderischen Partien glänzend, zumal Petra Lang als Kassandra mit kernigem Sopran, Béatrice Uria-Monzon mit glockigem Mezzo und Ian Storey als Aeneas mit heldischem Tenor können beeindrucken."

 

Wiener Zeitung, 10.12.2010:

"Mit diesem in Berlin so gut wie unbekannten Stück wollte der Generalmusikdirektor der Deutschen Oper, Donald Runnicles, zeigen, wer – neben Daniel Barenboim – auch noch der Herr im Berliner Opernhaus sein will. Und das ist, was ihn und sein Orchester betrifft, überzeugend gelungen!

Er füllt das zweitgrößte deutsche Opernhaus mit einem faszinierend ausbalancierten, sich betörend verströmenden Klang, lässt (Klang-)Massen aus der Ferne anrücken, die Bläser triumphieren, die Märsche eskalieren und dabei seinen Sängern immer den Raum, sich zu entfalten. Was im ersten Teil vor allem Petra Lang für ihre kraftvoll elegante Kassandra und Markus Brück für einen tadellosen Choroebus nutzen. Mit Beatrice Uria-Monzons leidenschaftlicher Königin Dido und dem vor allem in den Höhen mühelos glänzenden Ian Storey als Aeneas an der Spitze eines überzeugenden Ensembles, einschließlich der fabelhaften Chöre (William Spaulding), geht das dann auch so weiter, bis die verlassene Dido mit ihrem Bannfluch den Ex-Geliebten verabschiedet."

 

FAZ, 08.12.2010:

"Das Zusammenspiel mit dem mitreißenden, wuchtigen Chor (einstudiert von William Spaulding) und dem Orchester blieb hell und klar timbriert und deckte die Sänger niemals zu. Fernbläser und Fernchöre kamen zu herrlicher Wirkung. Sängerisch war die Kassandra von Petra Lang einfach grandios: Man erlebte eine Frau, die an ihren eigenen Visionen irre wurde, zwischen Glut und Fahlheit gleitend, dann kalt und lakonisch mit einem "Il est mort" den Tod ihres Verlobten Choroebus annoncierend. Auch sonst war das Niveau bei den zwanzig (!) Solopartien recht ansprechend: Ian Storey als Aeneas und Markus Brück als Choroebus fehlte es nicht an heldischem Glanz. Der Mezzosopran von Béatrice Uria-Monzon ist ziemlich dramatisch und in den nachtschwarzen Monologen der Selbstentleibung, lief auch sie zu großer Form auf."